Ursprung und Bedeutung des Wortes "Mandala"

Das Wort "Mandala" entspringt dem Sanskrit, der indischen Sprache der Weisen und Gelehrten, und bedeutet: Heiliger, magischer Kreis, das Rad, das Zentrum, das Wesentliche, die Essenz.

Jede Kultur der Welt benützt Mandalas und setzt sie als Symbole für geistig-spirituelle und heilerische Zwecke ein. Kreise, Spiralen und weitere runde Objekte faszinierten schon seit jeher die Menschen. Sie spürten, dass diese Formen eine besondere Bedeutung haben.
So wurden für Rituale verschiedenster Art Kreise gewählt, sei es runde Höhlen oder natürlich entstandene runde oder ovale Flächen innerhalb eines Baumkreises im Wald. Oder denken wir an die Steinkreise wie zum Beispiel "Stonehenge" in England, in welchen heilige Rituale abgehalten wurden.

Um die Verbindung zu ihren Göttern herzustellen, verwendeten viele Kulturen kreisförmige Zeichnungen und Motive für ihre rituellen Handlungen. Farbiger Sand, zerstossene und getrocknete Kräuter und Pasten aus Körnern sowie auch fein geriebene Wurzeln wurden auf Fussböden und Wände gemalt.
Auch noch heute benutzen bestimmte Kulturen solche Materialien, wie zum Beispiel die Aborigines in Australien, welche ihre "Dreamings" (Traumbilder) in den Sand zeichneten, um mit ihren Ahnen in der "Traumzeit", dem übernatürlichen Ort ihrer Geisterwelt, in Verbindung zu treten.
Die Navajo-Indianer in Nordamerika bedienen sich der "Sand paintings" (Sandmalerei), die sie auf den Boden zeichnen, im ihre geheimen Heilungsrituale zu schützen.
In Südindien werden Reispastete, farbige Kräuter und Blütenblätter zur Erstellung von Mandalas verwendet.

Das Wort "Mandala" bezieht sich auf kreisförmige Motive, die einerseits einen religiösen Ursprung haben sowie auf Kompositionen, die persönlich und individuell gestaltet sind.
Kultische Mandalas, wie wir sie zum Beispiel in Tibet und Indien antreffen, werden immer nach traditionellen Gesetzmässigkeiten auf vorgeschriebene Art und Weise zusammengestellt mit einer beschränkten Anzahl von Motiven.

Individuelle Mandalas sind an keine Vergaben gebunden. Das Bild kann frei und intuitiv gestaltet werden und widerspiegelt einen Seelenaspekt des Malenden. Vor allem beim Freihandmalen, ohne Zirkel und Lineal, entstehen somit intensiv strahlende und tief wirkende Farb- und Formkompositionen.
Lässt sich der Malende auf diese freie Form ein, so kann sich auch seine Seele frei ausdrücken.
Durch das Anfertigen eines individuellen Mandalas wird der Individuationsprozess (die Selbstwerdung) eines Menschen ausgedrückt. Auch sind Aspekte einer religiösen, spirituellen und psychologischen Symbolik darin enthalten, die aus der Intuition gewachsen sind, meditative Energie beinhalten und transformierend wirken können.
C. G. Jung bediente sich der Mandalas, indem er eine gewisse Zeit des Tages mit dem Zeichnen einer symmetrischen, kreisförmigen Figur (in seinem "Roten Buch", einem seiner Tagebücher festgehalten) einleitete.
Ihm ist auch die Einführung des Begriffes "Mandala" in der westlichen Welt zu verdanken.

Interessant ist zu beobachten, dass die kleinen Kinder, kaum dass sie einen Stift in die Hand nehmen, versuchen Kreise zu malen. Dieses Symbol scheint tief verankert zu sein im Menschen. Die runde Form löst häufig ein Gefühl von Geborgenheit aus. So sich manche Menschen beim Schlafen einrollen zu einer Kugel, einem dreidimensionalen Kreis.
Auch in der Natur und bei den Tieren können wir solche Einrollhaltungen beobachten.

In den letzten 16 Jahren, seit Rachel Aeschbach begonnen hatte diesen Freihandstil ohne Vorlagen oder Hilfsmittel zu entwickeln, stellte sie immer wieder fest, wie unglaublich energieaufbauend und gleichzeitig innerlich zentrierend und ausgleichend diese Malerei wirkt.
Hier auch eine Erklärung, wieso wir in der Natur so intensiv auftanken können: sie ist voll von natürlichen Mandalas. Denken wir nur einmal an all die wunderschönen Blumen, vom Gänseblümchen bis zur Lotusblüte!

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